Papa Ramdas

"Papa Ramdas", wie er von seinen Devotees genannt wurde, hieß ursprünglich Vittal Rao, lebte von 1884 bis 1963 in Kerala, Westindien. Er war verheiratet und hatte eine Tochter, die er sehr liebte. Es war schwierig für ihn als ausgebildeten Textilingenieur eine dauerhafte Arbeitsstelle zu finden, so dass er 1918 einen eigenen Betrieb gründete, in dem Saris gefärbt und bedruckt wurden. Leider fehlte es Vittal an Geschäftssinn, er zahlte seinen Arbeitern zum Beispiel zu hohe Löhne. Immer mehr verschuldet, fand er überraschend einen Geldgeber, der als Partner einstieg.

 

Die ernste Erkrankung seiner Frau Rukmabai veranlasste ihren Mann, um die Heilung zu beten, was er mit Hingabe tat. Sehr bald war Besserung und schließlich die völlige Gesundung die Folge. Diese Erfahrung bestärkte Vittal Raos schon vorhandene Neigung, Gott zu suchen. Er hatte Lehren von Sri Ramakrishna und Vivekananda studiert, die in tief berührt hatten. Er erzählte später:

 

„Fast ein Jahr brauchte Ramdas dazu, sich in schmerzhaftem Ringen aus einer Welt der Sorgen, Ängste und Leiden zu lösen. ... Aus dieser tiefen Not, aus dieser äußersten Hilflosigkeit erhob sich seine bange Frage: „Wo finde ich Befreiung? Wo finde ich Ruhe?“ Sein Flehen wurde erhört; aus der Großen Leere vernahm er eine Stimme:   „Verzweifle nicht! Vertraue auf Mich und du wirst frei sein!“  

Gott hatte zu ihm gesprochen. ...

 

‚Das’ bedeutet: Diener oder Sklave; ‚Ramdas’ heißt Diener Gottes; das war der Name für sein neues Leben. Er vertiefte seine Meditationen und seine Liebe zu Ram wuchs. Er begann den Namen Ram ständig zu wiederholen, selbst auf der Strasse blieb der göttliche Name sein Begleiter. Sein Schlaf verkürzte sich auf ein bis zwei Stunden und er nahm nur noch eine Mahlzeit täglich zu sich, die aus Kartoffeln und Bananen bestand. Da besuchte ihn sein Vater und weihte ihn im Auftrag Rams in das Mantra: ‚Sri Ram Jai Ram Jai Jai Ram’ ein, dass Ramdas später mit OM ergänzte.

Schließlich wurde die Hingabe an Ram so stark, dass Ramdas den tiefen Wunsch spürte, sein Heim zu verlassen, um als Wandermönch ganz ohne äußere Sicherheit sich der Führung Gottes auszuliefern. Er schlug drei Bücher auf und fand auf Anhieb in den Worten Buddhas, in denen von Christus und in der Bhagavad Gita durch Krishna seine Ahnung bekräftigt. Er schrieb seiner Frau einen Abschiedsbrief, in dem er sie als Schwester anredete.

Wenige Tage nach diesem Aufbruch begegnete er dem großen Weisen Sri Ramana Maharshi, der ihn segnete und erweckte, wie Ramdas später sagte. Nach dieser Segnung verbrachte Ramdas eine intensive Zeit in einer Höhle auf dem Arunachala, fast einen Monat sang er ununterbrochen sein Sri Ram und erlebte zum ersten Mal die kosmische Schau, seinen geliebten Ram in der Schöpfung. Er umarmte Bäume und Sträucher, in allem nur Ram erblickend.

Es war die vollkommene Sammlung auf Gottes Namen, die Ramdas Hingabe stetig anwachsen ließ. Er pflegte Leprakranke, hatte keine Angst mehr vor der körperlichen Berührung durch Schlangen und den entwaffnenden Mut eines Gotteskindes, als er lächelnd durch einen aufgebrachten Mob von Mohamedanern schritt, die ihm nach dem Leben trachteten. Seine daraus resultierende Freude war oft für die Menschen ansteckend, voller 'Shakti', göttlicher Kraft, lief er barfuß in dünner Kleidung fünfhundert Kilometer durch die Himalayas, schneller und ausdauernder als heimische Bergbewohner.


Das Buch: ‚Auf der Suche nach Gott’ und der zweite Teil,

‚In the Vision of God’ werden seine beeindruckenden Erlebnisse mit viel Humor erzählt und lassen ahnen, wieviel Kraft ein Leben der Hingabe freisetzen kann.

 

 


 

Im Mai 1931 fand die Eröffnung von ‚Anandashram’ bei Kanhangad, Nordkerala statt. Seine Schülerin Krishnabai, die in einer Autobiographie berichtet, wie sie selbst mit unglaublichem Einsatz an Hingabe zur Erleuchtung fand, war die ‚Mutter’ des Ashrams. Es entstanden Obstgärten, Reisfelder und Viehwirtschaft, eine Grundschule und eine Schule für handwerkliche Fertigkeiten. Felder und Rinder wurden später größtenteils den Arbeitern übereignet.


Ramdas unternahm in den Jahren 1936 bis 1938 und 1949 bis 1957 jährliche Reisen durch Indien, um seine zahlreichen Devotees zu besuchen, die selbst nicht nach Anandashram kommen konnten. 1954 brach Ramdas zu einer Weltreise auf, da viele europäische und amerikanische Anhänger darum gebeten hatten. Rom, Genf, Frankreich, auch Frankfurt, Reutlingen und München, Paris, Belgien, England, von dort nach New York, Los Angeles, Hawaii waren Stationen. Zum Schluss folgten asiatische Länder wie Japan, Honkong, Thailand, Singapur und Sri Lanka.


Im Alter war Ramdas mit Rheuma und Diabetes belastet, aber stets ein lebendes Beispiel wahrer Freude, die aus seiner innigen Gottverbundenheit leuchtete.